Buch: „Das Geheimnis der Schatzinsel“ sowie Neues von der Kokos-Insel

Seit einiger Zeit verfolge ich (bzw. verfolgt mich) die Frage, ob Dampier auf der Kokos-Insel vor der Pazifikküste Costa Ricas einen Schatz vergraben haben könnte. Selbst die deutsche Wikipedia kolportierte dieses Gerücht (inzwischen als solches gekennzeichnet ;-). Als ich dieses lose Ende der Geschichtsschreibung verfolgte, kam ich wie üblich vom hundertsten ins tausendste, und mit jeder Erkenntnis tauchten mehr Fragen als Antworten auf.

So langsam bekomme ich einen Eindruck davon, wie herausfordernd der Beruf des Historikers sein muss, wieviel des verfügbaren Materials Auslegungssache ist, und wie schwer es ist, belastbare Belege für bestimmte Vorgänge und Geschichten zu finden bzw. sie von Hörensagen, Spekulation und liebgewonnenen, immer wieder kolportierten Narrativen zu trennen.

So gesehen geht es mir gar nicht in erster Linie um diese kleine geschichtliche Episode, sondern vor allem auch um die Möglichkeit, mal nachzuvollziehen, wie der Prozess der Geschichtsschreibung tatsächlich vonstatten geht, welchen Aufwand man treiben muss, um ein historisches Detail dingfest zu machen und evtl. nachhaltig in der Geschichtsschreibung zu fixieren.

Hier geht es also um ein scheinbar nebensächliches Detail, welches aber erwiesenermaßen falsch ist, und seit einiger Zeit unhinterfragt tradiert wird. So fand es seinen Weg in TV-Dokus, Sachbücher und Geschichtspodcasts und stand als “erwiesen” in der deutschen Wikipedia. Da kann man schonmal genauer hinsehen.

Ich möchte kurz rekapitulieren. Im Ursprung ging es um folgende Aussage:

Nachweislich hat der britische Pirat und Entdecker William Dampier die Kokosinsel im Jahr 1684 aufgesucht, wie er in seinen Aufzeichnungen selbst berichtet¹. Ihm wird nachgesagt, dass er einen Teil seiner Beute dort versteckt habe².

¹ William Dampier: A New Voyage Round the World (1697)
² Ina Knobloch: Das Geheimnis der Schatzinsel (2009)

Ich habe im letzten Artikel nachgewiesen, dass Dampier in seinem Buch zwar die Kokos-Insel erwähnt, aber auch beschreibt, wie ‘sein’ Schiff (er war nur Crewmitglied, kein Kommandant oder so) sie aufgrund widriger Winde verfehlt. Sofern also mit „seinen Aufzeichnungen“ jenes Buch gemeint ist, ist die Aussage eindeutig falsch und ein Aufenthalt von Dampier auf der Insel nicht belegt.

Natürlich besteht die Möglichkeit, dass ein entsprechender Beleg irgendwo anders in Dampiers Aufzeichnungen zu finden ist. Seine originalen Handschriften sind leider nicht erhalten.

Mir fällt da ein Manuskript für sein Buch ein, das von der Endversion zum Teil stark abweicht und das mit umfangreichen handschriftlichen Anmerkungen Dampiers versehen ist. Dieses Dokument wird in Dampiers Biografien erwähnt, aber meines Wissens ist es nie komplett veröffentlicht worden. Es steht natürlich weit oben auf meiner Wunschliste!

In allen mir vorliegenden Volltexten von Dampiers Büchern ist nichts zu finden (Suchbegriff: Cocos). Ich nehme aber nicht an, dass mein Archiv vollständig ist. Offenbar gibt es ja noch undigitalisierte Schriften Dampiers, die mir bisher entgangen sind.

Also verfolgte ich die zweite Spur: In der Hoffnung auf neue Einzelheiten erwarb ich  Das Geheimnis der Schatzinsel.

Abbildung Buch
Die abgebildete Insel ist nicht die Kokosinsel, aber was solls …

Über das Buch

Ina Knobloch ist laut Klappentext promovierte Botanikerin, Filmproduzentin und freie Autorin. Sie hat unter anderem Terra-X-Dokus für das ZDF produziert. Terra X greift viele interessante historische Themen auf, leider werden diese aber meist sehr oberflächlich und reißerisch bis unseriös aufbereitet, garniert mit Nachstellungen der (vermeintlichen) historischen Vorgänge durch – freundlich ausgedrückt – äußerst mittelmäßige Schauspieler.

Für jemanden, der an handfesten historischen Hintergründen interessiert ist, ließ das nichts Gutes erwarten. Leider wurden diese Befürchtungen bestätigt.

Die Autorin kommt aufgrund ihrer Berufe viel in der Welt rum, und stieß in den 1980ern zum ersten Mal in Costa Rica auf die Legenden um die Kokos-Insel. Sie ging dem nach und unterhielt sich vor Ort mit allerlei Fachleuten und Abenteurern. Zwanzig Jahre lang hat sie das Thema immer wieder beschäftigt; 2009 hat sie das Ganze in ihrem Buch zusammengefasst.

Man muss dazu sagen, dass die Episode mit Dampier nur ein kleiner Nebenschauplatz in der spannenden Geschichte der Kokos-Insel ist. Zu den Hauptdarstellern gehört der vermeintliche “Kirchenschatz von Lima”, der um 1820, also 150 Jahre nach Dampier, in den Wirren des Südamerikanischen Unabhängigkeitskampfes auf der Insel versteckt worden sein soll, und dessen Wert mit hundert Millionen bis hundert Milliarden Dollar angegeben wird. Außerdem der deutsche Schatzsucher August Gissler, der um das Jahr 1900 auf der Kokos-Insel lebte (er war sogar eine Zeitlang Gouverneur dort), der wie im Wahn die halbe Insel umgrub, und doch verarmt starb. Dazu noch ein oder zwei größere Piratenschätze, von einem portugiesischen und einem englischen Piraten, die möglicherweise ein und derselbe waren, aber wahrscheinlich als solche gar nicht existierten, sowie etliche kleinere Beuteverstecke aus verschiedenen Jahrhunderten.

Außerdem gibt es nicht enden wollende Spekulationen, ob das Buch “Die Schatzinsel” von Robert Louis Stevenson (1883) von der Legende der Kokos-Insel inspiriert gewesen sei, und ob nicht Stevenson selbst viel mehr gewusst und in seinem Roman codiert habe. Diese letztgenannte Theorie bildet den Hauptteil des Buches von Knobloch. Sie hat wirklich eine Menge Aufwand betrieben und viele weltweit verstreute Schauplätze der verworrenen Geschichte selbst aufgesucht, um vor Ort mehr herauszubekommen.

Leider schien es ihr nicht wirklich darum zu gehen, etwas Licht in die Historie zu bringen. Sie nimmt praktisch alles, was ihr so erzählt wird, für bare Münze, steigt sogar noch fröhlich in die Spekulationen ein, und spinnt Stories weiter, die selbst schon äußerst dünn belegt sind. Anstatt also etwaigen historischen Quellen auf den Grund zu gehen, übertüncht sie die ganze Legende mit einer weiteren Schicht Spekulation und Wunschdenken.

Die ominöse Textquelle

So besucht sie auch Christopher Weston, Schatzjäger in zweiter Generation, der schon etliche Expeditionen zur Kokos-Insel unternommen hatte und in seinem Heim in Costa Ricas Hauptstadt San José ein riesiges Archiv unterhält. Hier kommt zum ersten Mal William Dampier ins Spiel.

Christopher Weston war aus dem Zimmer verschwunden und kehrte mit einem anderen dicken Wälzer zurück, “A New Voyage Around the World” von William Dampier, der (…) ebenfalls als Freibeuter reichlich Beute gemacht hatte.

“Dieser Pirat hat aus seinem Quartier auf der Kokosinsel kein Geheimnis gemacht (…)” erklärte Weston, während er das antiquarische Buch vor mich auf den Tisch legte.

Und das war’s. Das ist die Stelle, auf die Knoblochs Behauptung zurückgeht, Dampier habe die Insel besucht. Kein bisher unbekannter Bericht, keine apokryphe Handschrift; schlicht und einfach Dampiers Hauptwerk – das offenbar weder Weston noch Knobloch jemals sinnerfassend gelesen haben. Weston kannte vielleicht den Inhalt des Buches gar nicht richtig, oder er hat um der guten Story willen verdrängt, dass das, was er behauptet, dort gar nicht drinsteht. Und Knobloch hat sich wohl von dem Auftreten des alten Haudegens und seinem enormen Archiv so beeindrucken lassen, dass sie es nicht für nötig hielt, die Stelle jemals selbst nachzulesen. Umso merkwürdiger, dass sie tatsächlich noch eine vermeintliche Passage aus dem Buch “zitiert”:

Mit den Worten “Nur in zwei kleinen Buchten besteht die Möglichkeit, an Land zu gehen. Gleich hinter den schmalen Sandstränden beginnt ein fast undurchdringlicher Dschungel …” beschrieb Dampier in seinen Aufzeichnungen die Struktur der Kokosinsel.

Ich weiß wirklich nicht, wo sie das her hat; aus New Voyage jedenfalls nicht. Die Schilderung der Insel durch Dampier ist nicht lang. Es ist eine Sache von Minuten, herauszufinden, was dort steht – und was nicht.

Zur Sicherheit hier nochmal der Originaltext in voller Länge:

The island Cocos is so named by the Spaniards because there are abundance of coconut-trees growing on it. They are not only in one or two places but grow in great groves, all round the island, by the sea. This is an uninhabited island, it is 7 or 8 leagues round and pretty high in the middle, where it is destitute of trees, but looks very green and pleasant with a herb called by the Spaniards gramadael. It is low land by the seaside.

This island is in 5 degrees 15 minutes north of the Equator; it is environed with rocks, which makes it almost inaccessible: only at the north-east end there is a small harbour where ships may safely enter and ride secure. In this harbour there is a fine brook of fresh water running into the sea. This is the account that the Spaniards give of it, and I had the same also from Captain Eaton, who was there afterward.

Die Kokos-Insel
Die Kokos-Insel. Kokospalmen kommen dort heute kaum mehr vor. CC BY 2.0, Wikimedia Commons

Dass sie selbst den Buchtitel falsch zitiert – es heißt “Round the World”, nicht “Around” – ist nur ein weiterer kleiner Hinweis am Rande, wie luschig die Autorin hier zu Werke geht.

Weitere Beispiele

Praktisch alles, was die Autorin über Dampier erzählt ist irgendwie falsch oder zumindest grob irreführend. Ich möchte jetzt aber nicht sämtliche Details hier aufführen. Hier noch exemplarisch ein paar Zitate, die zeigen, wie die “Beweisführung” in diesem Buch vonstatten geht. (Hervorhebungen von mir)

[Dampiers] Kapertouren (…) zählen zu den am besten dokumentierten Piratengeschichten der Kokosinsel, da Dampiers Veröffentlichungen als glaubwürdig gelten und aus erster Hand sind. “Sie gehören zu den wichtigsten Quellen aus dieser Zeit”, erklärte mir Weston ergänzend zu den beeindruckenden Dokumenten, die ohnehin schon für sich sprachen.

Wenn die Dokumente für sich sprechen, braucht man natürlich nicht nochmal nachlesen, was drinsteht …

So sehen typischerweise die “Belege” aus, auf denen Knobloch ihre Thesen aufbaut:

Der Inhalt des Briefes (…) konnte zwar nie genau verifiziert, aber ebenso wenig widerlegt werden. Die vielen authentischen Details (…) ließen das Schriftstück aber ziemlich wahrhaftig erscheinen.

Im Roman ‘Die Schatzinsel’ ist auch eine fiktive Schatzkarte abgedruckt, die schon immer Anlass zu Spekulationen gab, ob es wohl eine reale Vorlage gegeben habe. Eine ganze Reihe von Inseln wurden hier im Laufe der Zeit ins Feld geführt, allein die Autorin ist sich sicher:

Stevensons Schatzkarte legte den zwingenden Schluss nahe, dass die mir inzwischen wohlbekannte Insel nicht nur Stevensons Schatzinsel war, sondern dass die Karte tatsächlich Hinweise auf den Schatz enthielt.

Zur Ausdeutung von Landkarten durch Amateure bemerkte der Historiker Gregory McIntosh einst bissig:

What the fringe means by ‘accurate’ is “Gee, it looks the same to me.”

(Was die Grenzwissenschaft mit “akkurat” meint, ist: “Hey, das sieht voll ähnlich aus!”)

Nachdem ich durch die Beschäftigung mit der Materie ein recht gutes Bild der Kokos-Insel und der Stevenson-Karte vor Augen hatte, stieß ich neulich zufällig (ohne Scheiß!) in Open Street Map auf eine Insel, die ihr verblüffend glich: die Isla San Cristóbal an der Karibikküste Panamas. Sie sieht Stevensons Schatzinsel wesentlich ähnlicher als die Kokos-Insel!

Abbildung der drei Inseln
Kokos-Insel, Stevensons Schatzinsel und die Isla San Cristóbal (von links nach rechts). Quellen: OSM und Wikipedia

Ich könnte jetzt behaupten, das lege den zwingenden Schluss nahe, dass diese Insel Stevenson zu seiner Schatzkarte inspiriert habe … aber lassen wir das. Es gibt in beiden Fällen ebensoviele Gründe, die dagegen sprechen, oder die durch reinen Zufall zu erklären sind.

So zieht es sich durch das ganze Buch. Formulierungen wie “[Geschichten] die nur zu einer Schlussfolgerung führen konnten” und “Zufall? Wohl kaum.” reichen der Autorin als Argumente für ihren Theorieverhau. So schließt sie folgerichtig mit den Worten:

Ich weiß nun, wo der Schatz liegt.

Wo genau, sagt sie natürlich nicht.

Stil

Besonders ärgerlich fand ich die Teile, wo sich Knobloch in Literatur versucht. Sie schreibt fiktive Interviews mit den Hauptpersonen der Geschichte (die sich nicht mehr wehren können) und fabuliert eigene Räuberpistolen, wie es gewesen sein könnte.

Diese Prosa ist schwer zu ertragen, ihre literarische Qualität bewegt sich in etwa auf dem Niveau der schauspielerischen Leistungen in TV-Dokus. So gesehen passt es wieder …

Die TV-Doku

Knoblochs ZDF-Doku aus der Reihe Jäger verlorener Schätze steht dem Buch in nichts nach und bietet auch einige Beispiele, wie Anekdoten und aus der Luft gegriffene Behauptungen als historische Tatsachen präsentiert werden, um die Story passend zu machen. Einmal mehr beweist hier der Schatzjäger Chris Weston, dass er seinen Dampier nicht richtig gelesen hat.

Das Prunkstück des Kirchenschatzes von Lima soll eine mannshohe Statue der Jungfrau Maria aus purem Gold gewesen sein.

[Sprecher:]
Weston zufolge liegt der Ursprung der Legende im 17. Jahrhundert, als der Pirat William Dampier vor Panama einen lukrativen Kaperzug machte.

Dass es immer so dargestellt wird, als sei “der Pirat William Dampier” irgendwie Anführer oder Kommandant oder sowas gewesen, sind wir ja schon gewohnt; wir wissen, dass er nur einer unter vielen, und nur zufällig Chronist der ganzen Fahrt war.

[Weston:]
(…) es gab diese Holzstatue in der Fracht – Mannshoch, mit Blattgold überzogen. Dampier erwähnt sie in seinen Aufzeichnungen. Ich glaube, diese Figur ist die Grundlage für die ganze Geschichte. Die Leute erzählten davon, und so wurde daraus die Madonna von Lima aus purem Gold, die auf der Kokos-Insel versteckt wurde.

Immerhin verweist Weston hier auf eine mögliche Legendenbildung, auch wenn er den Kirchenschatz selbst für existent hält.

Der Kaperzug war nicht wirklich lukrativ. Die Beute bestand aus Mehlsäcken, einem “stattlichen Maultier”, sieben oder acht Fässern mit Quittenmarmelade und eben dieser Statue.

a very large image of the Virgin Mary in wood, carved and painted to adorn a new church at Panama, and sent from Lima by the viceroy.

Von Blattgold ist nirgends die Rede. Außerdem wurde die Statue von Lima nach Panama geschickt, nicht umgekehrt, warum also sollte sie jemals als Teil des Kirchenschatzes angesehen worden sein? Sicher ist andererseits, dass die Kathedrale von Lima – wie jede größere Kirche – zu jeder Zeit mit Statuen vollgestellt war, auch vergoldeten. Da muss man nicht Dampiers Holzfigur von hundertfünfzig Jahren vorher bemühen, um die Entstehung solch einer Legende zu erklären.

Kathedrale von Lima 1854Die Kathedrale von Lima 1854 (Gemeinfrei)

Das alles bleibt wohlfeile Spekulation und mag jetzt kleinlich erscheinen, aber ich wollte gern nochmal aufzeigen, wie man praktisch überall, egal wo man hinpiekt, auf hanebüchene Fehler und Verdrehungen stößt – nicht nur in dieser Geschichte. Der Anteil an Bullshit ist in der Populärwissenschaft offenbar noch viel höher, als man gemeinhin für möglich hält. (Wobei sich auch die Frage nach der Abgrenzung von Populär- und Pseudowissenschaft stellt, aber das Fass möchte ich jetzt nicht aufmachen …)

Fazit

Historisch gesehen ist dieses Buch ein totaler Reinfall und stilistisch zum Teil eine Zumutung. Den Recherche-Aufwand der Autorin in allen Ehren, aber das Ergebnis hat leider keinerlei wissenschaftlichen Wert. Im Gegenteil hat die Autorin die ganze Legende noch mit zusätzlichen abenteuerlichen Spekulationen verquirlt. Zukünftige Historiker werden sich bedanken.

Was ich dem Buch zugute halten kann ist, dass hier einmal alle Beteiligten und Handlungsstränge der Legenden um die Kokos-Insel vorgestellt werden; als leichter Einstieg (mit entsprechender Medienkompetenz gelesen) mag es durchaus dienen.

Es steht zu vermuten, dass die Falschinformation über Dampier, die ich vom Zeitsprung-Podcast über Wikipedia bis zu Knobloch und Weston zurückverfolgte, tatsächlich von letztgenannten in die Welt gesetzt wurde: durch die TV-Doku von 2005 und das Buch von 2009. Dass Dampier in den englischen, spanischen und französischen Wikipedia-Artikeln zur Kokos-Insel überhaupt nicht vorkommt, und sich das Phänomen somit offenbar auf den deutschsprachigen Raum beschränkt, legt dies ebenfalls nahe.

Wie geht es weiter?

Ein weiterer sehr interessanter Zeitgenosse Dampiers kam mir durch dieses Buch wieder in Erinnerung: der Freibeuter und Schiffsarzt Lionel Wafer. Er segelte mit Dampier und den anderen Freibeutern. Bei der Überquerung der Landenge von Panama – zu Fuß durch den Urwald – verletzte er sich durch ein Missgeschick mit einem Schießpulverbeutel und einer Tabakspfeife so schwer am Bein, dass er in Obhut der Cuna-Indianer zurückgelassen wurde. Dort verbrachte er fünf Monate und erwarb sich als Arzt hohes Ansehen. Auch Wafer schrieb später ein Buch über seine Abenteuer, das neben Naturbeobachtungen auch erste anthropologische Forschungen über die indigenen Völker der Region enthielt. Wafer und Dampier scheinen gute Freunde geblieben zu sein, sie beziehen sich in ihren Büchern des öfteren wohlwollend auf das Werk des jeweils anderen.

Das Spannende ist, dass Wafer tatsächlich auf der Kokos-Insel gewesen ist! Er beschreibt sie ausführlicher als Dampier; seinen Bericht habe ich noch nicht vollständig gelesen, das werde ich demnächst mal in Angriff nehmen.

Des weiteren wurde ich auf den Roman Reisen im Licht der Sterne von Alex Capus aufmerksam, der ebenfalls die Geschichte um Stevensons Schatzinsel behandelt, und eine Theorie verfolgt, der offenbar reale Recherchen zugrundeliegen (im Englischen nennt man das wohl Faction). Ich habe das Buch hier liegen und bin schon sehr gespannt.

Möglicherweise geht also die Schatzinsel-Saga noch weiter. Stay tuned :)


Literatur

Ina Knobloch
Das Geheimnis der Schatzinsel
Robert Louis Stevenson und die Kokosinsel – einem Mythos auf der Spur
mare Verlag
ISBN: 978-3-86648-097-1

William Dampier
A New Voyage Round The World
Ausgabe von 1699
Freies E-Book bei der University of Adelaide
https://ebooks.adelaide.edu.au/d/dampier/william/new-voyage-round-the-world

Der deutsche Wikipedia-Artikel ist in seiner jetzigen Form durchaus lesenswert. Auch wenn dort noch einiges an Detailarbeit droht, so bietet er doch einen guten Einstieg. Die ganzen Spekulationen und gewagten Theorien um die Insel sind erfreulich deutlich als solche gekennzeichnet.


Update:
Stil/Formulierungen 7.7.19

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